Ich dachte mir, dass ich vielleicht auch ein paar Sätze zu den ganzen Merkwürdigkeiten verlieren sollte. Mir ist zwar nie vorher so richtig aufgefallen, weil meine Eltern und meine Tante in Polen immer alles erledigt haben. Jetzt ist dem nicht mehr so, jetzt wohne ich mehr oder weniger allein (ich habe ja noch meine zwei Mitbewohner, die kein polnisch können).
1. Die Leute in den Fenstern, also an Schaltern, sind oft unhöflich und haben kein Verständnis dafür, dass ich sie nicht verstehe. Ich vermute, dass sie mich für dumm oder so halten, deshalb über lege mich mir einen falschen und sehr starken deutschen Akzent zu zulegen. Könnte ja vielleicht helfen.
2. Der Bahnhof ist auch etwas ganz spezielles. Als ich mein Ticket nach Danzig kaufte, fragte ich ob ein Zug um 5.50 Uhr fährt und die Verkäuferin meinte JA. Der Zug kam aber um 5.30, was ich erst um 6.00 erfuhr, als ich mich am Schalter erkundigte, erzählte ich, dass die andere Verkäuferin 5.50 nicht verneint. Da hieß es nur, dass ich an der Information hätte fragen sollen, nicht am Schalter und wenn die Zeittafel der Züge nicht lesen könne, solle ich doch jemanden um Hilfe fragen. WEN? Genau, deshalb fragte ich ja die eine Verkäuferin! Also ich ging dann zur Tafel und siehe da: unter 5.50 wurde ein schmaler Streifen geklebt mit der neuen Uhrzeit 5.30. Die Streifen sind aber teilweise so schlecht geklebt, dass sie die Hälfte der Zwischenstadionen verdecken.
3. Der Straßenverkehr. Es gibt hier unglaublich viele Unfälle, habe zwar noch keinen gesehen, höre aber immer die Sirenen. Die Leute fahren hier wie zu kommunistischen Zeit, nur sind mehr als dreimal so viele Autos auf den Straßen unterwegs. Die Farbe rot an der Ampel, ist nur eine Richtlinie, nicht mehr und geparkt wird wo Platz ist. Die Polizei ist aber eher damit beschäftigt, Leuten die nicht die Straße auf dem Zebrastreifen überqueren, eine 50 PLN (ca. 12,50 €) Strafe aufzudrücken.
Den Zebrastreifen überquere ich mittlerweile so, dass ich nach links und rechts gucke: Fährt etwas mit Sirene? Nein! Fährt ein Bus oder eine Tram? Nein! Los gehts! Die Autos bleiben auch stehen, ich habe ja auch "Vorfahrt". Ich weiß, dass ist vielleicht nicht die beste Idee, aber anders ist schwer über die Straßen zu kommen.
4. Gemüse wird hier auf dem Markt gekauft. Die Supermärkte haben sich darf eingestellt und dem entsprechend ist das Gemüse-/Obstangebot klein und nicht wirklich gut. Auf dem Markt kann man sogar Kakis kaufen, einfach fantastisch. Dadurch wird aber auch der eigene Markt und die Bauern gestärkt und das Zeug ist so auch günstiger. Außerdem wird oft auf den Kleinmist verzichtet wie das Rausgeben von 0,01 PLN oder 0,02 PLN, manchmal kriegt man auch etwas mehr Rückgeld. Zudem wissen die Händler auch wie man am besten das Zeug zubereitet oder wo man Gemüse, welches man selbst nicht hat woanders auf dem Markt kaufen kann.
5. Alle Studenten sind einheitlich, nur der Name der Uni ist halt anders. Verwirrt auf jeden Fall weniger Leute als in Berlin.
6. Am darf hier wohl keine Kopierer bedienen. Man lässt hier einfach seine Bücher da und kommt in einer Stunde oder am nächsten Tag wieder um sich alles abzuholen. Irgendwie praktisch und zeitsparend für einen.
7. Die polnische Rechtschreibung: Sie ist echt merkwürdig. Also Eigennamen werden groß geschrieben (Logisch), aber Namen von Tänzen (in meinen Augen auch Eigennamen) nicht. Sonne, Mond und Erde werden nur groß geschrieben, wenn man etwas astronomischen damit ausdrücken will, sonst (wie sollte es anders sein) klein, auch wenn ein kleines Kind nach der Mond-Sonne-Entfernung fragt. Eigentlich was astronomisches, aber Kinder haben wohl keine Ahnung davon.
8. Busfahren: Ist hier echt beängstigend, die rasen einfach so durch den Straßenverkehr. In Berlin habe ich nichts gegen stehen im Bus, hier schon. Das Gleichgewicht zu verlieren ist mehr als wahrscheinlich.
9. Hier gibt wirklich viele Gesucht-Zettel, sonders von alten Menschen. Gibt es auch so was in Deutschland, wenn ja habe ich es noch nie gesehen.
10. In kleinen Bibliotheken steht man hier hinter der Theke und sagt, welches Buch man will, so funktioniert hier auch das Kopieren: man sagt welche Seiten man will und die kopieren es. Wenns mal länger dauern sollte, kommt man halt erst in einer Stunde wieder, was auf der einen Seite echt praktisch ist, auf der anderen irgendwie merkwürdig.